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Die Firmlinge im Krankenhaus

Das Sankt Marien-Hospital Buer hat mit der Propsteigemeinde St. Urbanus bereits einige gemeinsame Projekte verwirklicht. Die Strickmützchen-Aktion für Neugeborene beispielsweise hat die Herzen vieler unserer Leserinnen und Leser berührt.

Durch die Pflegedirektion des MHB wurde in diesem Frühjahr eine Anregung vom ehemaligen Propst und jetzigen Weihbischof Wilhelm Zimmermann aufgegriffen und umgesetzt, den Firmlingen der Großpfarrei einen Blick auf die Abläufe hinter den Kulissen eines Krankenhauses zu gewähren. Firmling Philipp Norpoth hat die Eindrücke  der Gruppe im nachfolgenden Beitrag zusammengefasst.

 

„Was bedeutet eigentlich Krankenhausseelsorge? Wie handle ich bei einer Reanimation richtig, und wie funktioniert das Notfallmanagement eines Krankenhauses?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen haben sich einige Firmlinge der Großpfarrei St. Urbanus im Zeitraum vom 15. Mai bis zum 26. Juni 2014 beschäftigt. Mit diesem sogenannten „Krankenhaus-Modul“ bekamen die Firmlinge auf Basis verschiedener Vorträge einen kleinen Einblick in das Krankenhausleben. Das Sankt Marien-Hospital in Buer ist ein eigenständiges Krankenhaus und gehört zur Sankt Augustinus Gelsenkirchen GmbH. Zu diesem Konzern gehören zudem das Marienhospital in Gelsenkirchen, Wohnheime und verschiedene Kindergärten. Das Unternehmen ist mit mehr als 2.100 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Beim ersten Treffen hielt Diakon Matthias Breier einen Vortrag über die Krankenhausseelsorge. Er erklärte den Firmlingen, dass Krankenhausseelsorger sich um Menschen kümmern, die das Gespräch suchen. Da dies hauptsächlich Diakon Breier und der evangelische Pfarrer Christian Elgaard machen, wird sonntags neben den Gesprächen die Krankenkommunion ausgeteilt. Diese bekommen auf Wunsch die Patienten, die nicht die Möglichkeit haben, alleine in die Krankenhausmesse zu gehen. Außerdem verfügt das Krankenhaus über einen Verabschiedungsraum. Hier wird eine angemessene Atmosphäre geschaffen, bei der sich die Familie von einem  verstorbenen Menschen verabschieden kann. 

Ein weiteres Thema in diesem Modul war das Notfallmanagement. Dazu hielt Intensivschwester Michaela Breitsprecher einen Vortrag. Zudem zeigte sie den Firmlingen an einer Übungspuppe, wie man eine bewusstlose Person richtig reanimiert. Ein weiteres Highlight war die Veranschaulichung eines Defibrillators, wie er in jeder öffentlichen Einrichtung als Rettungsmittel zu finden ist. Dabei wurde klar, dass man sich bei der Benutzung des Defibrillators an einem Menschen sehr konzentrieren muss, da er mit Hilfe einer Computerstimme genaue Anweisungen gibt. 

Ein weiteres Thema war in der Woche darauf die Krankenpflegeausbildung. Dazu fanden sich alle Firmlinge in der Jordan Mai Krankenpflegeschule ein. Schulleiter Gregor Pleiss erklärte, dass der Alltag eines Schülers der Krankenpflege sehr dem eines normalen Schülers ähnelt. So hat der Krankenpflegeschüler auch mehrere Schulstunden, wenn auch mit anderen Unterrichtsfächern. Hier wird den Schülerinnen und Schülern der Umgang mit Patienten gelehrt — zum Beispiel die Körperwäsche. Die Firmlinge erfuhren außerdem, dass ein Schüler nach einer bestimmten Zeit praxisorientiert lernt. Er geht entweder ins Krankenhaus, um dort die bereits gelernten Dinge anzuwenden, oder in den Schulunterricht. Zum Schluss wurde den Firmlingen gezeigt, wie man Blutdruck misst und welcher für Frauen und Männer optimal ist. 

Der abschließende Vortrag wurde von der Diabetesassistentin Martina Leidinger gehalten. Mit einer Reise in die Zukunft wurde den Firmlingen vor Augen gehalten, dass einige Funktionen des Körpers im Alter nicht mehr vorhanden sind. So wurde das Beschmieren eines Brotes mit Marmelade zum Kraftakt, denn die Firmlinge mussten bestimmte Erschwernisse in Kauf nehmen, um die möglichen Einschränkungen des Alters gut zu veranschaulichen. So wurde die Sicht verschlechtert, indem jeder eine Brille aufsetzen musste, die mit Vaseline bestrichen war. Zudem wurde mit Gummihandschule agiert, da die Fühlsinne im Alter nicht mehr so ausgeprägt sind. Anschließend wurde jedem die Erfahrung nahe gelegt, sich von jemandem füttern zu lassen. Dies war zwar für einige unvorstellbar, aber es kann sehr schnell passieren, dass ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, alleine zu essen. Da sich mit der Zeit der Zustand der Gelenke und Muskeln verschlechtert, wurde den Firmlingen ein speziell für Senioren entwickeltes Fitnessprogramm gezeigt. Dieses wurde von der Sporthochschule konzipiert, damit ältere Menschen beispielsweise nach einem längeren bettlägerigen Krankenhausaufenthalt ihre Gelenke schonend beanspruchen. Dies dient dem Zweck, dass diese Menschen auch im Alter fit bleiben und nicht zu schnell an das Bett oder den Rollstuhl gefesselt sind.

Als weiteres Highlight wurde das pürierte Essen vorgestellt. Dieses wird den Patienten mit Kaubeschwerden serviert. Das Besondere daran: Die Mahlzeiten sind in Form gepresst. Der Patient kann anhand der optischen Zubereitung erkennen, was er isst. 

Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Firmlinge einig, dass dieses Modul spannende Themen bereitgehalten und ihnen einen guten Einblick in den Alltag eines Krankenhauses verschafft hat. Nach der anschaulichen Darstellung des Arbeitstalltages möchten die Firmlinge all denen, die einen Beruf im Bereich der Krankenpflege erlernen möchten, die Empfehlung aussprechen, an diesem Modul einmal mitzuwirken. 

 

Philipp Norpoth, Firmling St. Urbanus