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Ort der Befreiung wird Ort der Erinnerung

Gedenktafel für Dr. Rudolf Bertram – Arzt, Chirurg, Gerechter der Völker

Im Beisein von Propst Paas, Pastor Georg Späh, Bürgermeister Werner Wöll, Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde und der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und Ortrud Kathol Bertram wurde am 28. Mai im Rahmen einer Feierstunde eine Erinnerungstafel an der Seniorenwohnanlage Haus Marien in Rotthausen gesegnet und der Öffentlichkeit vorgestellt, die an das mutige und entschlossene Handeln von Dr. Rudolf Bertram in den Jahren 1944/1945 erinnert. „Mit der Enthüllung und Segnung der Erinnerungstafel erinnern wir an einem Mann, der in den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte Mut und Zivilcourage, Menschlichkeit und Gerechtigkeitssinn auf eindrucksvolle Weise bewiesen und gelebt hat. Dr. Rudolf Bertram widerstand auf seine ganz eigene und ganz besondere Weise der Nazi-Ideologie vom unwerten Leben. Als am 11. September 1944 die Bomben auf den Standort der Gelsenberg Benzin AG fielen, kamen viele der dort eingesetzten Zwangsarbeiterinnen aus dem KZ Buchenwald ums Leben. Und die weiteren, Schwerverletzten, unter ihnen auch 17 jüdische Zwangsarbeiterinnen, wurden in das St. Josef-Hospital in Horst und eben auch in das Marien-Hospital in Rotthausen, heute Standort der Seniorenwohnanlage Haus Marien, gebracht. Der Chefarzt beider Häuser war der Chirurg Dr. Bertram. Er  ahnte das vermeintlich unabwendbare Schicksal dieser Frauen und stemmte sich als Christ und als Arzt, getreu dem hippokratische Eid, die Patienten vor Schädigung und Unrecht zu  bewahren, gegen das von den Nazi´s in ihrem Vernichtungswahn vorgesehene Unrecht,“ erinnerte Ansgar Suttmeyer für die St. Augustinus Gelsenkirchen Stiftung, die gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt den neu geschaffenen Erinnerungsort ermöglicht hatte, an Leben und Wirken von Dr. Bertram und Ortrud Kathol Bertram, Tochter des 1980 posthum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Ehrentitel „Gerechter der Völker“ geehrten Dr. Rudolf Bertram stellte den Anwesenden Lebensweg und Motivation ihres Vaters vor.

In einer Grußbotschaft betonte auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach die besonderen Verdienste von Dr. Bertram: „(…)Er ist uns allen ein großes Vorbild an Zivilcourage, für seinen Gerechtigkeitssinn und seine Menschlichkeit! Er und seine Mitarbeiter gehörten zu den wenigen, die eben nicht weggeschaut haben, sondern geholfen haben, Menschenleben zu retten, in Zeiten, wo Menschenleben nichts mehr wert waren. Im babylonischen Talmud, Traktat Sanhedrin 37a steht: „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.“ Und so bin ich dankbar und glücklich, dass die Erinnerung an ihn weiterlebt und wir seiner mutigen Tat gedenken!“